Girokonto wechseln: Ablauf und Fallstricke

Das alte Konto kostet plötzlich Gebühren, der neue Arbeitgeber zahlt pünktlicher auf ein anderes Institut, oder der Kundenservice der Hausbank enttäuscht seit Monaten. Gründe, das Girokonto zu wechseln, gibt es viele. Doch zwischen dem Entschluss und dem tatsächlich funktionierenden neuen Konto liegen einige Schritte, die viele unterschätzen. Wer den Wechsel unvorbereitet angeht, riskiert zurückgebuchte Lastschriften, verzögerte Gehaltseingänge und doppelte Kontoführungsgebühren.

Vorbereitung: Was muss vor dem Wechsel erledigt sein?

Der häufigste Fehler beim Kontowechsel ist, das neue Konto zu eröffnen und das alte sofort zu kündigen. Dazwischen liegen mindestens vier bis sechs Wochen, in denen beide Konten parallel laufen sollten. Zunächst braucht man eine vollständige Liste aller Zahlungspartner, die die alte IBAN gespeichert haben.

Dazu gehören:

  • Arbeitgeber oder Rentenversicherungsträger für den Gehaltseingang
  • Vermieter oder Hausverwaltung für die Miete
  • Versicherungen, Streaming-Dienste, Fitnessstudio
  • Finanzamt und Sozialversicherungsträger
  • Kreditkartenanbieter, falls die Karte am Konto hängt
  • Online-Shops und Bezahldienste wie PayPal

Eine einfache Methode: die letzten zwölf Kontoauszüge durchsehen und alle Abbuchungen und Gutschriften notieren. Wer das systematisch macht, findet erfahrungsgemäß 15 bis 25 Zahlungspartner, die informiert werden müssen.

Der gesetzliche Kontowechselservice

Seit September 2016 sind Banken in Deutschland gesetzlich verpflichtet, einen Kontowechselservice anzubieten. Das klingt komfortabler, als es in der Praxis oft ist. Der Service funktioniert so: Die neue Bank übermittelt der alten Bank eine Liste der Daueraufträge und Einzugsermächtigungen. Die alte Bank leitet diese Informationen weiter, und die neue Bank informiert die betroffenen Zahlungspartner über die geänderte IBAN.

Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass dieser Prozess innerhalb von zwölf Geschäftstagen abgeschlossen sein muss. In der Realität berichten Verbraucher immer wieder von Verzögerungen. Außerdem erfasst der Service nur Lastschriften und Daueraufträge der letzten 13 Monate. Wer ein jährliches Abonnement hat, das zuletzt vor 14 Monaten abgebucht wurde, fällt durch das Raster.

Hinzu kommt: Der Service informiert Zahlungspartner, verpflichtet sie aber nicht, die neue IBAN sofort zu übernehmen. Einige Unternehmen aktualisieren ihre Systeme erst nach mehreren Wochen. Deshalb empfiehlt es sich, kritische Zahlungspartner wie den Arbeitgeber und den Vermieter immer zusätzlich direkt zu kontaktieren.

Neues Konto eröffnen: Worauf kommt es an?

Wer wechseln will, sollte zuerst konkret vergleichen, bevor er ein Konto eröffnet. Kontoführungsgebühren, Bedingungen für ein kostenfreies Konto, Geldautomaten-Netzwerke und die Qualität der Banking-App variieren erheblich. Ein Girokonto-Vergleich hilft dabei, die Angebote verschiedener Banken strukturiert gegenüberzustellen und versteckte Kosten wie Gebühren für Überweisungen oder Kontoauszüge auf Papier aufzudecken.

Bei der Kontoeröffnung selbst verlangt jede Bank eine Identifikation, entweder per VideoIdent, PostIdent oder persönlich in der Filiale. VideoIdent dauert bei stabiler Verbindung etwa zehn Minuten, PostIdent erfordert einen Gang zur Post mit Personalausweis oder Reisepass. Die IBAN des neuen Kontos erhält man in der Regel innerhalb von zwei bis fünf Werktagen nach erfolgreicher Identifikation.

Direktbanken versus Filialbanken

Direktbanken wie ING, DKB oder Consorsbank bieten häufig kostenfreie Konten ohne Mindestgeldeingang an. Die DKB beispielsweise verlangt seit 2023 bei ihrem Standardkonto einen monatlichen Geldeingang von mindestens 700 Euro, um das Konto gebührenfrei zu führen. Die ING setzt diese Grenze bei 700 Euro ebenfalls an. Wer diese Bedingungen nicht erfüllt, zahlt monatlich 4,90 Euro. Solche Details entscheiden darüber, welches Konto tatsächlich günstig ist.

Filialbanken haben höhere Grundgebühren, bieten aber persönliche Beratung und ein breiteres Filialnetz. Für ältere Kunden oder Menschen, die regelmäßig komplexere Bankgeschäfte persönlich erledigen möchten, kann das ein valides Argument sein.

Fallstricke beim Wechsel

Neben dem bereits erwähnten Problem mit selten genutzten Zahlungspartnern gibt es weitere typische Probleme:

  • Laufende Kredite: Wer einen Ratenkredit oder einen Dispokredit bei der alten Bank hat, muss diese Verbindlichkeiten vor der Kündigung klären. Viele Banken setzen die Kontoauflösung aus, solange noch Verbindlichkeiten bestehen.
  • Girocard und Kreditkarte: Die alte Karte verliert mit Kontoauflösung ihre Gültigkeit. Wer zwischen Kontoauflösung und Erhalt der neuen Karte keine Übergangszeit einplant, steht unter Umständen ohne funktionierende Karte da.
  • Daueraufträge nicht automatisch übertragen: Selbst wenn die neue Bank Daueraufträge übermittelt bekommt, sind diese nicht automatisch aktiv. Man muss in der neuen Banking-App prüfen, ob alle Daueraufträge korrekt angelegt wurden.
  • Negativsaldo vor Auflösung: Wer das alte Konto mit einem Negativsaldo kündigt, also den Dispo in Anspruch genommen hat, muss diesen vor der Auflösung ausgleichen.

Kündigung des alten Kontos: Form und Fristen

Die meisten Banken akzeptieren die Kündigung des Girokontos ohne Einhaltung einer bestimmten Frist, wenn keine besonderen vertraglichen Regelungen gelten. Die Sparkassen und Volksbanken haben manchmal Fristen von vier Wochen im Kleingedruckten. Ein schriftlicher Kündigungsbrief per Einschreiben ist in jedem Fall besser als eine formlose E-Mail, weil man damit einen Nachweis hat.

Nach der Kündigung hat man Anspruch auf alle Kontoauszüge der letzten zehn Jahre. Das ist steuerrechtlich relevant, wenn man Belege für das Finanzamt braucht. Die meisten Banken stellen diese digital zur Verfügung, für ältere Zeiträume manchmal nur auf Papier gegen eine Gebühr von bis zu 15 Euro pro Auszug.

Realistischer Zeitplan für den Wechsel

Ein realistischer Zeitplan sieht so aus: In Woche eins wird das neue Konto eröffnet und die Identifikation abgeschlossen. In Woche zwei kommen Karte und PIN, man aktiviert das Online-Banking und startet den Kontowechselservice. In Woche drei und vier werden alle Zahlungspartner manuell informiert. Ab Woche fünf läuft der Gehaltseingang auf dem neuen Konto. In Woche sechs werden alle Kontoauszüge des alten Kontos gespeichert, und danach erfolgt die schriftliche Kündigung.

Wer diesen Plan einhält und keine laufenden Verbindlichkeiten beim alten Institut hat, kommt ohne Probleme durch den Wechsel. Der entscheidende Faktor ist die Sorgfalt bei der Bestandsaufnahme aller Zahlungsverbindungen zu Beginn. Wer dort gründlich arbeitet, spart sich Nacharbeit und vermeidet das unangenehme Szenario einer zurückgebuchten Mietzahlung.

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