GmbH mit Schulden verkaufen: Was zu beachten ist

Eine GmbH, die Verbindlichkeiten angehäuft hat, lässt sich grundsätzlich verkaufen. Das Gesellschaftsrecht stellt dabei keine unüberwindbaren Hürden auf. Die Praxis zeigt jedoch, dass Verkäufer ohne gründliche Vorbereitung in Haftungsfallen tappen oder am Ende deutlich weniger erlösen als erwartet. Wer den Prozess strukturiert angeht, hat bessere Karten.

Schulden allein sind kein Verkaufshindernis

Viele Gesellschafter glauben, eine überschuldete oder verlustbringende GmbH sei schlicht unverkäuflich. Das stimmt so nicht. Entscheidend ist, ob das Unternehmen trotz seiner Verbindlichkeiten einen wirtschaftlichen Wert hat, der für einen Käufer interessant ist. Das kann ein wertvoller Kundenstamm sein, eine eingespielte Belegschaft, eine begehrte Gewerbegenehmigung oder schlicht eine etablierte Marke.

Relevant ist dabei die Art der Schulden. Kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten lassen sich anders einpreisen als langfristige Bankdarlehen oder offene Steuerschulden. Letztere sind für potenzielle Käufer besonders heikel, weil das Finanzamt Haftungsansprüche auch gegen den neuen Gesellschafter geltend machen kann, sofern bestimmte Voraussetzungen nach Paragraf 75 der Abgabenordnung erfüllt sind.

Insolvenz oder Verkauf: Die Abgrenzung im Detail

Wer eine GmbH mit Schulden verkaufen will, muss zunächst prüfen, ob tatsächlich noch Handlungsspielraum besteht. Liegt bereits Zahlungsunfähigkeit vor, greift Paragraf 17 der Insolvenzordnung. Ab diesem Punkt ist die Geschäftsführung verpflichtet, innerhalb von drei Wochen Insolvenzantrag zu stellen. Ein Verkauf in dieser Phase ist nicht per se ausgeschlossen, aber er erfordert besonderes Tempo und transparente Kommunikation mit potenziellen Käufern.

Von der Zahlungsunfähigkeit zu unterscheiden ist die bilanzielle Überschuldung nach Paragraf 19 InsO. Hier zählt, ob die Verbindlichkeiten das Vermögen der Gesellschaft übersteigen und keine positive Fortführungsprognose besteht. Ist die Fortführungsprognose positiv, bleibt mehr Zeit für einen geordneten Verkaufsprozess. Ein Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer sollte diese Einschätzung dokumentieren, um die Geschäftsführerhaftung abzusichern.

Due Diligence: Was Käufer wissen wollen

Jeder seriöse Interessent wird vor dem Kauf eine Prüfung der finanziellen und rechtlichen Verhältnisse verlangen. Bei einer belasteten GmbH fällt diese sogenannte Due Diligence besonders gründlich aus. Folgende Unterlagen sollten Verkäufer frühzeitig zusammenstellen:

  • Jahresabschlüsse der letzten drei bis fünf Geschäftsjahre
  • Aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung
  • Vollständige Aufstellung aller Verbindlichkeiten mit Fälligkeiten
  • Steuerbescheide und gegebenenfalls offene Steuerprüfungsprotokolle
  • Laufende Verträge mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern
  • Gesellschaftsvertrag und Gesellschafterliste

Unvollständige oder widersprüchliche Unterlagen erzeugen Misstrauen und drücken den Kaufpreis. Wer hier sorgfältig arbeitet, spart Zeit in der Verhandlung und stärkt seine Position.

Kaufpreisgestaltung und Haftungsverteilung

Bei einer schuldenbelasteten GmbH liegt der Kaufpreis häufig nahe null oder sogar im negativen Bereich. Das klingt absurd, ist aber gängige Praxis: Der Käufer übernimmt die Gesellschaft und damit ihre Verbindlichkeiten, verlangt dafür aber einen Ausgleich vom Verkäufer. In der Praxis werden solche Konstellationen als „negative Kaufpreise“ oder als kombinierte Transaktion mit Schuldenübernahme strukturiert.

Beim sogenannten Share Deal kauft der Erwerber die Gesellschaftsanteile und tritt damit vollständig in die Rechtsposition der GmbH ein. Alle bestehenden Verbindlichkeiten verbleiben in der Gesellschaft. Beim Asset Deal hingegen werden einzelne Vermögenswerte übertragen, während die Hülle der GmbH inklusive ihrer Schulden beim Verkäufer verbleibt. Welches Modell wirtschaftlich sinnvoller ist, hängt stark vom Einzelfall ab. Professionelle Beratung zahlt sich hier aus, weil Fehler bei der Strukturierung erhebliche steuerliche und haftungsrechtliche Folgen haben können. Wer sich einen ersten Überblick verschaffen möchte, findet bei spezialisierten Kanzleien konkrete Hinweise zum Thema GmbH mit Schulden verkaufen, die über allgemeine Ratgeber deutlich hinausgehen.

Gesellschafterhaftung: Wo beginnt das persönliche Risiko?

Ein weit verbreitetes Missverständnis: Die GmbH-Haftungsbeschränkung schützt Gesellschafter nicht in jeder Situation. Wer als Geschäftsführer Zahlungen nach Eintritt der Insolvenzreife geleistet hat, haftet persönlich nach Paragraf 64 GmbHG a.F. beziehungsweise dem seit 2021 geltenden Paragraf 15b InsO. Auch verdeckte Gewinnausschüttungen kurz vor dem Verkauf können rückabgewickelt werden.

Besonders kritisch sind Gesellschafterdarlehen. Wurden dem Unternehmen in der Krise Darlehen von Gesellschaftern gewährt und dann zurückgezahlt, kann der Insolvenzverwalter diese Rückzahlungen anfechten, wenn sie innerhalb eines Jahres vor Insolvenzantrag erfolgt sind. Verkäufer sollten solche Transaktionen unbedingt vor Abschluss des Kaufvertrags offenlegen und rechtlich bewerten lassen.

Bankverbindlichkeiten: Zustimmungspflichten beachten

Laufen Bankdarlehen über die GmbH, enthält der Kreditvertrag in aller Regel einen sogenannten Change-of-Control-Klausel. Wechseln die Eigentümer, kann die Bank das Darlehen fällig stellen oder zumindest ihre Zustimmung zum Gesellschafterwechsel verlangen. Wer das übersieht, riskiert, dass die finanzierende Bank kurz vor dem Closing den Kredit kündigt. Frühzeitige Abstimmung mit der Hausbank ist daher Pflicht, nicht Kür.

Ablauf eines realistischen Verkaufsprozesses

Ein strukturierter Ablauf sieht in der Praxis ungefähr so aus: Zunächst wird eine interne Bestandsaufnahme aller Verbindlichkeiten und Vermögenswerte erstellt. Parallel dazu prüft ein Steuerberater, ob die Fortführungsprognose tragfähig ist. Erst dann beginnt die Suche nach Interessenten, häufig über spezialisierte M&A-Berater oder Unternehmensmakler, die auf Distressed-M&A ausgerichtet sind.

Die Verhandlungsphase mit dem Käufer dauert bei belasteten Gesellschaften erfahrungsgemäß sechs bis zwölf Wochen länger als bei gesunden Unternehmen. Komplexere Due-Diligence-Prüfungen, Verhandlungen über Garantie- und Freistellungsklauseln sowie die Abstimmung mit Gläubigern kosten Zeit. Wer unter Zeitdruck steht, weil die Insolvenzreife droht, hat in der Verhandlung schlechte Karten. Deshalb gilt: Früh handeln, nicht warten bis das Konto leer ist.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Der Verkauf einer GmbH mit Schulden ist machbar, erfordert aber klaren Blick auf die eigene Situation, vollständige Transparenz gegenüber dem Käufer und kompetente rechtliche sowie steuerliche Begleitung. Wer diese drei Punkte beherzigt, schafft die Grundlage für einen geregelten Abschluss, der alle Beteiligten vor bösen Überraschungen schützt.

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