Von Redaktion Bankpraktiker · veröffentlicht am 29. Oktober 2026
Werbung: Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit deine-geo-agentur.de.
Jeder vierte Erwachsene in Deutschland hat eine KI-Anwendung wie ChatGPT bereits in Geldfragen um Rat gefragt, so eine Bitkom-Umfrage vom Mai 2026. Für Banken, Vermittler und Honorarberater entsteht damit ein neuer Ort, an dem über sie gesprochen wird, aber kein rechtsfreier Raum. Eine KI-Antwort ist keine Anlageberatung im Sinne des Aufsichtsrechts. Was regulierte Anbieter selbst veröffentlichen, unterliegt dagegen weiterhin den bekannten Regeln für Information und Werbung, und seit Sommer 2026 überwacht die BaFin zusätzlich den Einsatz von KI bei Banken und Versicherern. Dieser Beitrag ordnet ein, wie Kunden suchen, was die Systeme antworten und wo die Grenzen für Anbieter liegen.
Kernpunkte
- 25 Prozent der Befragten haben laut Bitkom eine KI schon in finanziellen Angelegenheiten um Rat gefragt, 49 Prozent lehnen KI bei Finanzthemen grundsätzlich ab.
- Eine Chatbot-Antwort ersetzt keine Geeignetheitsprüfung, wie sie etwa § 16 FinVermV für Finanzanlagenvermittler vorschreibt.
- Eigene Inhalte regulierter Anbieter müssen redlich, eindeutig und nicht irreführend sein; bezahlte redaktionelle Beiträge sind zu kennzeichnen.
- Die BaFin ist seit Ende Juli 2026 Marktüberwachungsbehörde für KI-Systeme der von ihr beaufsichtigten Unternehmen.
Wie nutzen Verbraucher KI bei Geldfragen?
Häufiger, als viele Berater vermuten, aber mit gespaltenem Vertrauen. Ein Viertel hat schon um Rat gefragt, fast ebenso viele trauen der KI mehr als menschlicher Beratung, während knapp die Hälfte KI bei Finanzthemen ablehnt.
| Aussage | Anteil der Befragten |
|---|---|
| Haben eine KI wie ChatGPT schon in finanziellen Angelegenheiten um Rat gefragt | 25 % |
| Glauben, KI könne Finanzthemen besser erklären als Menschen | 30 % |
| Würden KI den Großteil ihrer Finanzentscheidungen überlassen | 27 % |
| Vertrauen KI mehr als menschlicher Finanzberatung | 24 % |
| Lehnen den Einsatz von KI bei Finanzthemen grundsätzlich ab | 49 % |
| Machen sich wegen KI größere Sorgen um Betrug | 62 % |
Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen telefonischen Befragung von Bitkom Research unter 1.004 Personen ab 16 Jahren in den Kalenderwochen 11 bis 14 des Jahres 2026, veröffentlicht am 21. Mai 2026. Für die Praxis ist weniger die Spitzenzahl interessant als die Kombination. Wer ein Sprachmodell nach einem Tagesgeldkonto, einem Baufinanzierer oder einem Honorarberater in der eigenen Stadt fragt, bekommt in der Regel eine kurze Auswahl mit Begründung. Welche Häuser darin vorkommen, entscheidet nicht die Aufsicht und nicht die Bank, sondern die Quellenlage, die das System findet. Gleichzeitig ist das Misstrauen groß. Für seriöse Anbieter ist das eine Chance, sofern sie dort mit richtigen Angaben auftauchen.
Warum ist eine KI-Antwort keine Anlageberatung?
Weil ihr die Prüfung fehlt, die eine Beratung ausmacht. Wer Finanzanlagen empfiehlt, muss Kenntnisse, finanzielle Verhältnisse und Anlageziele des Kunden erfragen und darf nur Geeignetes empfehlen. Ein allgemeiner Chatbot fragt das nicht verlässlich ab.
Für gewerbliche Finanzanlagenvermittler ist die Pflicht in § 16 der Finanzanlagenvermittlungsverordnung ausbuchstabiert. Einzuholen sind Informationen über Kenntnisse und Erfahrungen mit bestimmten Arten von Finanzanlagen, über die finanziellen Verhältnisse einschließlich der Fähigkeit, Verluste zu tragen, und über die Anlageziele einschließlich der Risikotoleranz. Nur was danach geeignet ist, darf empfohlen werden; die Verordnung nennt das Geeignetheitsprüfung. Ein Sprachmodell wie ChatGPT durchläuft diesen Prozess nicht, auch wenn seine Antworten oft so klingen. Daraus folgt eine doppelte Aufgabe für die Branche. Sie sollte Kunden erklären, wo die Grenze zwischen einer KI-Auskunft und einer Beratung verläuft. Und sie sollte dafür sorgen, dass die Fakten, die ein Sprachmodell über ein Institut wiedergibt, stimmen: Erlaubnis, Registereintrag, Leistungsumfang, Vergütungsmodell.
Welche Regeln gelten für Inhalte, die KI-Systeme über Anbieter lesen?
Dieselben wie für jede andere Veröffentlichung. Informationen und Werbung regulierter Anbieter müssen redlich, eindeutig und nicht irreführend sein, Werbung muss als solche erkennbar bleiben, und neue KI-spezifische Pflichten kommen hinzu.
| Regel | Kernaussage | Bedeutung für Sichtbarkeit in KI-Antworten |
|---|---|---|
| § 63 Abs. 6 WpHG | Informationen einschließlich Marketingmitteilungen redlich, eindeutig, nicht irreführend; Marketingmitteilungen eindeutig erkennbar | Ratgebertexte und FAQ von Wertpapierdienstleistern sind keine Grauzone, nur weil sie für Maschinen geschrieben werden |
| § 12 FinVermV | Statusbezogene Angaben, darunter die Eintragung nach § 34f Abs. 5 GewO und wie sie sich überprüfen lässt | Einheitliche Register- und Kontaktdaten erleichtern die eindeutige Zuordnung |
| UWG, Anhang Nr. 11 und 11a | Vom Unternehmer finanzierte redaktionelle Inhalte und bezahlte Platzierungen in Suchergebnissen müssen erkennbar sein | Bezahlte Fachartikel sind zulässig, wenn sie gekennzeichnet sind |
| ESMA, Erklärung vom 30. Mai 2024 | Leitungsorgane bleiben verantwortlich, auch bei KI-Einsatz; Nutzung von Tools wie ChatGPT durch Mitarbeiter ist zu kontrollieren | Auch KI-gestützt erstellte Inhalte brauchen eine menschliche Freigabe |
| KI-Verordnung, Art. 50 | Transparenzpflichten, etwa für Chatbots im Kundenkontakt, seit 2. August 2026 | Eigene Chatbots müssen sich als KI zu erkennen geben |
Die Zuständigkeit für den letzten Punkt hat sich im Sommer verschoben. Seit dem 29. Juli 2026 ist die BaFin nach dem Gesetz zur Durchführung der europäischen KI-Verordnung Marktüberwachungsbehörde für KI-Systeme, die von ihr beaufsichtigte Unternehmen im direkten Zusammenhang mit regulierten Finanztätigkeiten einsetzen. Die Anforderungen an Hochrisiko-Systeme, etwa zur Kreditwürdigkeitsprüfung, sollen laut BaFin ab dem 2. Dezember 2027 gelten. BaFin-Präsident Mark Branson betonte, Entscheidungen müssten durch Menschen korrigierbar und umkehrbar bleiben.
Wie prüfen Finanzdienstleister ihre Sichtbarkeit, ohne Grenzen zu überschreiten?
Mit einer dokumentierten Bestandsaufnahme statt mit Werbeversprechen. Zuerst wird gemessen, ob und wie das eigene Haus in KI-Antworten erscheint und ob die Angaben stimmen. Erst danach geht es um Maßnahmen, die mit Compliance abgestimmt sind.
Spezialisierte Dienstleister bieten solche Bestandsaufnahmen inzwischen als festes Format an. Deine GEO Agentur aus Hechingen, 2026 gegründet und auf Sichtbarkeit in KI-Suchsystemen spezialisiert, beschreibt ihr GEO-Audit als Messung mit 20 bis 40 echten Kundenfragen, die jeweils dreimal an Gemini, ChatGPT, Perplexity und Googles AI Overviews gehen, über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen. Neben der Frage, ob ein Unternehmen genannt wird, protokolliert das Verfahren laut Leistungsbeschreibung auch, welche Quellen die Systeme heranziehen und ob die Aussagen über das Unternehmen stimmen. Für ein Institut unter Aufsicht der BaFin ist gerade dieser Punkt heikel. Nennt ein Sprachmodell veraltete Konditionen, eine nicht bestehende Erlaubnis oder einen falschen Firmensitz, entsteht ein Bild, das mit den Pflichtangaben nach WpHG oder FinVermV nicht übereinstimmt. Garantien für Nennungen schließt die Agentur aus. Der Wert einer solchen Messung liegt in der belastbaren Ausgangslage, nicht in einem versprochenen Platz.
Wichtiger Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Er ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung und ersetzt nicht die Prüfung des Einzelfalls durch die eigene Compliance-Abteilung oder eine Rechtsberatung. Regulatorische Angaben entsprechen dem Stand vom 4. Oktober 2026.
Fragen aus der Beratungspraxis
Dürfen Finanzdienstleister in ChatGPT Anzeigen schalten?
Anzeigen erscheinen in ChatGPT seit August 2026 auch in Deutschland, nur in den Tarifen Free und Go, gekennzeichnet und vom Antworttext getrennt. Neben sensiblen oder regulierten Themen, genannt sind persönliche Gesundheit, psychische Gesundheit und Politik, schaltet OpenAI keine Werbung. Welche Finanzprodukte zulässig sind, regeln OpenAIs Werberichtlinien.
Was tun, wenn ChatGPT falsche Angaben über das eigene Haus macht?
An der Quelle korrigieren. Erst die Website, das Impressum und den Registereintrag prüfen, dann Profile und Verzeichnisse angleichen. Den Fehler mit Datum, Frage und Antwort dokumentieren und nach einigen Wochen erneut prüfen, da die Systeme Änderungen nicht sofort übernehmen.
Dürfen Mitarbeiter ChatGPT in der Kundenkommunikation nutzen?
Nicht unkontrolliert. Die ESMA erwartet, dass Firmen den Einsatz von Werkzeugen wie ChatGPT durch Mitarbeiter steuern, auch wenn die Geschäftsleitung davon nichts weiß. Kommunizieren Kunden direkt mit einem Chatbot, greifen seit August 2026 zusätzlich die Transparenzpflichten der KI-Verordnung.
Sind bezahlte Fachartikel über Finanzanbieter zulässig?
Ja, wenn der Werbezweck erkennbar ist. Nach Nr. 11 im Anhang zum UWG ist es unzulässig, vom Unternehmer finanzierte redaktionelle Inhalte ohne Kennzeichnung einzusetzen. Wertpapierdienstleister müssen Marketingmitteilungen zudem nach § 63 Abs. 6 WpHG eindeutig als solche erkennbar machen.
Fazit: Richtig genannt werden statt irgendwie
Die Suche nach Finanzberatern verlagert sich zum Teil in KI-Antworten, das zeigt die Bitkom-Umfrage deutlich. Für regulierte Anbieter heißt das nicht, neue Werbeformen auszuprobieren, sondern vorhandene Pflichten ernst zu nehmen: richtige Statusangaben, klare und nicht irreführende Inhalte, erkennbare Werbung. Wer wissen will, ob das eigene Haus in ChatGPT, Perplexity oder Googles KI-Übersichten korrekt vorkommt, braucht eine wiederholbare Messung, wie sie etwa Deine GEO Agentur anbietet. Die Entscheidung über Maßnahmen gehört anschließend an einen Tisch mit der Compliance.
Zur Redaktion: Das Ressort Finanzen schreibt für Praktiker aus Banken, Sparkassen und Vermittlung über Regulierung, Vertrieb und Digitalisierung. Gesetzeszitate sind am Wortlaut auf gesetze-im-internet.de geprüft.
Quellen
- Bitkom: Ein Viertel will KI über Finanzen entscheiden lassen (21. Mai 2026)
- DATEV Nachrichten: Überwachung von KI – BaFin erhält neue Kompetenzen (nach BaFin-Mitteilung vom 29. Juli 2026)
- § 63 WpHG, § 12 FinVermV, § 16 FinVermV, Anhang zu § 3 Abs. 3 UWG (abgerufen am 4. Oktober 2026)
- ESMA: Public Statement on the use of Artificial Intelligence in the provision of retail investment services (30. Mai 2024)
- OpenAI Help Center: Ads in ChatGPT und ChatGPT Ads expands across Europe (18. August 2026)
Stand: 4. Oktober 2026
